Reise blog von Travellerspoint

12 Tage "Torres del Paine"

all seasons in one day

So, seit gestern abend sind wir wieder in unserer Konservendose in Puerto Natales und genießen richtige Betten. Gerade eben haben wir unsere Schiffsreise mit der Navimag (www.navimag.com), die uns ab Montag bis Freitag durch die chilenischen Fjorde bis nach Puerto Montt führen wird gebucht. Die Reise gilt als eine der schönsten Schiffsreisen der Welt und wir sind sehr gespannt.

Aber jetzt erstmal zu unseren letzten 12 Tagen im Park. Es ist schon ein tolles Stückchen Erde, was wir da beackert haben und ich muss zugeben, dass ich die ganze Sache hinsichtlich Streckenführung, patagonischen Wetters und insbesondere meiner Leistungsfähigkeit ein wenig unterschätzt hatte. Und nachdem wir dann gestern auch noch Schnee bis zu unserem Übernachtungsplatz hinunter hatten, sind wir jetzt doch ganz froh, dass wir alles erreicht und durchgestanden haben.

Gestartet waren wir am Montag, 25.3. um 07.30 Uhr mit dem Bus vor unserem Hostel. Beide mit Rucksäcken über 20 kg bepackt, alle Nahrungsmittel für die 12 Tage dabei, aber beide auch noch immer ein wenig angeschlagen, kamen wir gg. 10.00 Uhr im Park an und verlegten gleich zum Camping Las Torres. Da das Wetter nicht so optimal war und es leicht regenete, bauten wir unser Zelt gleich an der ersten Station im Las Torres auf und schauten uns erstmal gemühtlich die Umgebung an.

Am nächsten Morgen starteten wir dann die erste 15 km- Tour zum Camping Seron. Die Strecke war weitgehend eben, es ging durch mehrere kleine Flüsse (es gab die ersten nassen Füsse) und nach fünf Stunden kamen wir zum Seron. Man konnte dort campen, aber alle Einrichtungen waren wegen der fortgeschrittenen Zeit schon geschlossen. Somit war es also ein richtiger Naturcamping. Außer uns übernachteten auf dem Platz noch drei andere Parteien. In der Nacht machten wir dann den ersten Kontakt mit den berüchtigten patagonischen Stürmen; es ging schon ganz schön zur Sache, aber unser Salewa Sierra Leone II steckte den Sturm gut weg.

Am nächsten Morgen ging es dann in die längste Tour des gesamten Circuito. Hier hatten wir die ersten richtigen Steigungen und eine nicht ganz ungefährliche Moorstrecke zu bewältigen. Irgendwann auf dieser Strecke waren wir dann platt und schlugen unser Zelt mitten im Wald auf (was im Nationalpark eigentlich nicht erlaubt ist). Die Nacht war etwas unruhig, es regnete, aber morgens hatten wir gutes Wetter und wanderten an der Nordseite des Painemassives und am Lago Paine entlang zum Refugio Dickson, einem ausnehmend schönen Platz. Die Lage ist so unglaublich schön, dass ich bestimmt an die 100 Bilder von diesem Flecken gemacht habe.

Dieses Refugio war noch besetzt und Sarah lächelte dem dortigen Chef von Vertice ihr freundlichstes Lächeln bei der Begrüßung zu, was uns zahlreiche Vorteile einbrachte: Wir konnten zu einem Drittel des regulären Preises im Refugio essen und allerlei mehr.

Wir blieben zwei Tage an diesem wunderschönen Ort, erlebten dort auch mit minus 4 Grad unsere kälteste Nacht und verlegten dann am Samstag zum Camping Perros. Dazu mussten wir ca. 500 Höhenmeter aufsteigen und kamen dabei auch an die ersten Gletscher. Am Abend stellten wir fest, dass der Vertice-Chef vom Dickson uns hinterhergelaufen war. Am Camping Perros, an dem es wegen der Nähe der Gletscher schon richtig kalt war, machten alle anwesenden Trekker abends in der Schutzhütte ein großes Feuer und es war ein richtig toller Abend auf dem Campingplatz. Sarah saß noch lange mit den beiden Verticemitarbeitern zusammen und kam erst gg. 02.00 Uhr nachts ins Zelt.

Am Ostersonntag morgens hieß es dann ganz früh aufstehen, denn heute lag die schwierigste Etappe vor uns. Bei schlechtem Wetter ist der Pass "John Gardener" oft nicht passierbar oder gesperrt, da die Stürme dort weit über 200 km/h Windgeschwindigkeiten erreichen. Wir hatten aber Glück, das Wetter war excellent. Die beiden Vertice-Mitarbeiter wollten uns noch die Rucksäcke zur Passhöhe schleppen, was wir aber ablehnten. Also quälten wir uns alleine mit unseren Rucksäcken die ca. 800 Höhenmeter zum Pass hinauf, durch Wald- und über Schotterfelder.

Als wir dann aber um genau 14.00 Uhr am Ostersonntag auf der Passhöhe des John Gardener Passes standen erschlug es uns fast. Es war ein unglaublicher Blick, phantastisches Wetter, klasse Sicht, und da lag u.a. der fast 2o km lange Grey-Gletscher, der sichtbare Ausläufer des südpatagonischen Eisfeldes, des größten Inlandseisfeldes der Erde, vor uns. Wir genossen diesen tollen Blick ausgiebig, wussten aber auch, dass uns jetzt noch eine Tortur der besonderen Art bevorstehen würde: Fast 800 Höhenmeter schnurstracks und auf steilsten Waldwegen nach unten, z. T. nur von Ast zu Ast hangelnd. Und ihr könnt es mir glauben, es war wirklich sehr hart und wir waren froh, als wir gg. 19.30 Uhr den Camping Paso, einen ganz einfachen Platz im Wald oberhalb des Gletschers erreichten.

Zelt aufgebaut, gekocht, und dann nichts, wie in die Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen mussten wir noch 14 km bis zum Refugio Grey laufen und diese Strecke hatte es auch in sich. Es gab zwei Leitern, einmal nach oben, einmal nach unten und eine 40 m Hängebrücke mit Holztritten zu überwinden. Die Leiter nach oben hätte ich mit meinen Armen fast nicht geschafft. Es war nicht einfach bei (patagonischem) Wind, mit Rucksack und dann immer mehr nachlassenden Kräften in den Armen sich dort hochzuziehen; Sarah hatte mehr Probleme mit der fast 30 m langen Leiter nach unten. Aber der größte Gag war die Hängebrücke, die über ein tiefes Bergtal gespannt war und die aus aufgehängten Holzbrettern bestand. Das war schon ein uriges Gefühl darüber zu wanken.

Abends kamen wir dann am Refugio Grey an und schlugen dort unser Zelt auf.

Am nächsten Tag ging es nochmals 15 km weiter zum Refugio Paine Grande. Auf diesem Weg hatte man die schönsten Aussichten auf den Lago Grey und den Greygletscher sowie auf das Paine Massiv. Wir hatten wieder sehr viel Glück mit dem Wetter und schlugen dann abends unser Zelt am Paine Grande auf.

In der Nacht traf uns dann ein richtiger patagonischer Sturm und ich hatte mehrmals nachts die Befürchtung, dass unser Zelt sich flachlegen würde. Während doch einige andere Zelte bzw. Zeltgestänge nach dem Sturm beschädigt waren, hatte unseres standgehalten. Morgens war eine Heringshalterung abgerissen, sonst nichts. Wir hatten alles gut überstanden.

Wir setzten dann mit dem Katamaran über den Lago Pehoe und jetzt änderte sich das Wetter. Ab Mittwoch wurde es richtig kalt, es regnete was runterkam und die Schneegrenze sank jeden Tag weiter hinunter. Am Donnerstag unternahmen wir nach einer sehr nassen Nacht den Versuch zu den Torres aufzusteigen. Wir hatten schon etwa 400 Höhenmeter gemacht, als das Wetter sich so verschlechterte, dass wir fast nichts mehr sahen und unsere Kleidung vollkommen nass war. Nach langem Überlegen (wir hätten es eigentlich besser wissen müssen) brachen wir ab und stiegen wieder runter. Unten angekommen, war oben blauster Himmel, typisches patagonisches Wetter halt. C´est la vie, c´est la pech.

Wir liefen dann noch ein bisschen durch die Umgebung und bekamen auch hier noch schöne Fotomotive vor die Linse.

Die letzte Nacht im Park regnete es wieder was runterkam; als wir morgens aus den Schlafsäcken krochen, war die ganze Umgebung weiß.

Wir hatten zwölf wunderbare Tage mit weitgehend gutem, z. T. hervorragendem Wetter, im Park. Jetzt merkt man dann aber schon, dass es mit Riesenschritten auf den patagonischen Winter zugeht.

Soweit so gut für heute; jetzt könnt ihr Euch ein kleines Bild davon machen, was wir die letzten 13 Tage erlebt haben. Schaut Euch die Bilder dazu an. Leider können diese, wenn überhaupt, nur ansatzweise wiedergeben, was für eine tolles Fleckchen Erde sich hier in Chiles Süden verbirgt.

Machts mal gut; wo immer ihr auch seid.

Sarah und Klaus

Eingestellt von Sarah_S 17:40 Archiviert in Chile

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Kommentare

Hallo ihr Beiden, grade habe ich euren Bericht gelesen, Ihr habt soviel erlebt man kann es fast nicht glauben. Nun seit ihr wieder im Normalen angelangt und habt schon wieder "Neues" im Blick.
Wünsche euch weiterhin viele neue tolle Erlebnisse.
Freue mich auf den neuen und wahrscheinlich letzten Bericht. Liebe herzliche Grüße aus weiter weiter Ferne. Oma

von ellinors

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